1. – 6. Schuljahr

Sabrina Roos

„Ich finde immer mehr Aufgaben

Mit Mindmaps Lernvoraussetzungen feststellen

Das Vorwissen der Kinder zu ermitteln, ist Voraussetzung, um einen differenzierenden Unterricht für alle zu ermöglichen. Einen offenen Einstieg in das Variieren von Aufgaben bietet die Methode des Mindmappings. In einem inklusiven Unterricht können so Kinder mit unterschiedlichen Begabungsprofilen an einem gemeinsamen Inhalt arbeiten.

Variieren als Unterrichtsgegenstand
Bei der Arbeit mit Aufgabenvariationen geht es um die gleichberechtigte Förderung der inhalts- und der prozessbezogenen Kompetenzen. Sie entspricht damit der veränderten Aufgabenkultur. Gute Aufgabenvariationen ermöglichen es, allgemeine mathematische Kompetenzen aufzubauen und Sinnzusammenhänge erkennbar zu machen. Um allen Kindern ein Lernerfolgserlebnis zu ermöglichen, muss als Ausgangspunkt des Lernprozesses das Vorwissen der Kinder ermittelt werden. Der Unterricht muss es den Kindern ermöglichen, ihr Wissen zu zeigen, es anwenden und ausbauen zu können. Beim Variieren von Aufgaben müssen die Kinder Ideen dafür entwickeln, was sie an einer Aufgabe verändern können und wie sich ihre Veränderung auf die neu entstandene Aufgabe auswirkt.
Im Folgenden werden Möglichkeiten vorgestellt, mit der Methode des Mindmappings in allen vier Klassenstufen eine offene Lernausgangslage zu schaffen, die bei allen Kindern Leistungen herausfordert und wahrnehmbar macht. Durch den Einsatz dieser Methode erhält die Lehrkraft vielfältige Gelegenheiten, selbst aktiv am Lernprozess der Kinder teilzunehmen und so Einblicke in die Denkstrukturen und die vorhandenen Strategien zur Veränderung von Aufgaben zu bekommen. Als aktive Lernbegleiterin kann sie während der Arbeitsphase nachfragen, hinterfragen und neue Ideen bei den Kindern anregen. Die entstandenen Arbeitsergebnisse der Kinder werden anschließend zur Diagnose für die Weiterarbeit genutzt.
Die Mindmaps werden immer im Anschluss an die Einführung der jeweiligen Operationen oder des jeweiligen Rechenverfahrens eingesetzt. Die Basisaufgaben werden von der Lehrkraft ausgewählt. Dabei gilt es, bei der Aufgabenauswahl darauf zu achten, dass inhaltliche und prozessbezogene Kompetenzen berücksichtigt werden, dass das Variieren zum Unterrichtsgegenstand wird, Muster und Strukturen gefunden werden können und es vielfältige Möglichkeiten der Veränderung der Aufgabe gibt. Die Kinder bearbeiten ihre Mindmaps in Einzelarbeit oder mit einem Partner. Dabei werden verschiedene Aufgaben als Ausgangslage der Mindmaps angeboten, um einen fachlichen Austausch in einer weiteren Phase zu ermöglichen. Für die Mindmaps lautet der Arbeitsauftrag: „Sucht passende Aufgaben zu eurer Basisaufgabe, indem ihr diese verändert.
Fachlicher Austausch: Was wurde verändert?
Schon während der Arbeit mit den Mindmaps findet zwischen den Kindern ein reger Austausch statt, wenn sie mit einem Partner zusammenarbeiten dürfen. In der folgenden Phase des Austauschs sind die Kinder aufgefordert, die Mindmap eines anderen Teams auszuwerten und zu beschreiben, mithilfe welcher Strategien die Aufgabe verändert wurde. Die Kinder schreiben ihre Kommentare in einer anderen Farbe an die entsprechende Stelle der Mindmap. So erhält die Lehrkraft eine doppelte Aussage über die Lernvoraussetzungen der Kinder:
Welche Strategien zur Veränderung konnten die Kinder anwenden?
Inwieweit sind sie in der Lage, Variationen von Aufgaben zu erkennen und zu beschreiben?
Die Mindmaps und der Austausch darüber machen deutlich, welche Bezüge die Kinder bereits herstellen können, ob Muster und Strukturen erkannt und auch beschrieben werden können und in welchem Maße bereits Begründungen gefunden werden.
Die Partnergruppe eines zweiten Schuljahres zeigt in der Austauschphase verschiedene Veränderungsstrategien zu einer Aufgabe des kleinen Einmaleins: „Zuerst mal Tauschaufgabe, ist ja einfach. Jetzt noch Addieren draus machen.“ –  „Auch einfach. Wir können noch Tricks...

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