4. – 4. Schuljahr

Sabrina Roos

„Fragebögen sind sehr kompliziert

Sinn und Unsinn von Fragebögen hinterfragen lernen

Die Kinder eines vierten Schuljahres setzen sich auf philosophische Weise mit der Erstellung und Auswertung unterschiedlicher Fragebögen auseinander. Dabei nutzen sie ihr umfangreiches mathematisches Wissen, um eine kritische Haltung zu entwickeln und die Intention, die hinter manchen Fragebögen steht, beleuchten zu können.

Die Schülerinnen und Schüler der Erprobungsklasse werden im Gemeinsamen Lernen unterrichtet. Es lernen Kinder mit unterschiedlichen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen zusammen an einem Thema. Daher haben bereits alle Schülerinnen und Schüler der Klasse in ihren vergangenen vier Schuljahren umfangreiche Erfahrungen sowohl mit dem Sammeln von Daten als auch mit dem Auswerten eigener und vorgegebener Diagramme machen können. Sie kennen unterschiedliche Formen von Diagrammen und können die Auswertung der darin enthaltenen Daten deuten und Schlussfolgerungen daraus ziehen.
Lernausgangslage nutzbar machen
Zum Einstieg in die Unterrichtsreihe sollen die Kinder ihr Wissen durch ein kurzes Murmelgespräch mit einem Partner aktivieren. Dabei tauschen sich immer zwei Kinder im Flüsterton aus, ohne dass für diese Phase einschränkende Vorgaben gemacht werden. Schon hier zeigt sich, dass die Kinder durchaus unterschiedliche Kenntnisse mit dem Thema „Daten und Diagramme verbinden. So legt Laura direkt los und erklärt ihrem Partner: „Diagramme sind eigentlich cool, weil man immer auf den ersten Blick schon total viel sehen kann, ohne dass man rechnen muss. Ihr Partner ist damit nicht einverstanden und merkt an: „Für manche Fragen muss man aber schon rechnen, zum Beispiel um zwei oder auch mehr Säulen zusammenzufassen. Zwischen diesen beiden Kindern entspinnt sich bereits in dieser ersten Phase ein anspruchsvoller Austausch, der die mathematischen Vorkenntnisse der Kinder deutlich werden lässt.
Diese Murmelphase wird in der Erprobungsklasse häufig als Start in ein Thema gewählt, um alle Kinder zu aktivieren und auch denjenigen eine Mitarbeit zu ermöglichen, die sich aufgrund ihres Unterstützungsbedarfs (Sprache/Mutismus) nicht zutrauen, in größeren Gruppen zu sprechen. Auch Kinder mit dem Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen bekommen so eine Möglichkeit, Ideen zu sammeln oder sich ihrer eigenen Ideen rückzuversichern, um dann am gemeinsamen Gespräch aktiv teilnehmen zu können. Die Murmelphase wird durch ein gemeinsames Gespräch im Plenum beendet, bei dem die Ergebnisse des Austauschs von der Lehrkraft an der Tafel geordnet festgehalten werden. Einig sind sich alle Kinder der Erprobungsphase, dass mit Diagrammen immer „etwas herausgefunden werden soll, weil „jemand etwas über andere wissen möchte. Es wird festgestellt, dass es mehrerer Personen bedarf, die man befragen muss, um ein Diagramm erstellen zu können. Die Befragung kann mündlich als Umfrage oder mit einem Fragebogen erfolgen. Die Kinder benennen ihnen bekannte Diagramme: Säulen-, Balken-, Torten- und Kreisdiagramm. Auffällig ist in dieser Einstiegsphase, dass sich keines der Kinder kritisch gegenüber Fragebögen, Umfragen oder der Auswertung der Diagramme äußert. Obwohl immer wieder betont wird, dass „jemand über andere mit Fragebögen etwas erfahren möchte, stellen die Kinder weder diese Tatsache noch die Fragebögen an sich infrage. Zudem werden Unterschiede in Diagrammen benannt, aber Fragebögen nicht weiter differenziert betrachtet.
Fragebögen unter die Lupe nehmen
In der darauffolgenden Lerneinheit nehmen die Kinder in Gruppenarbeit mehrere Fragebögen vergleichend unter die Lupe. Es stehen ihnen unterschiedliche Fragebögen zur Verfügung, aus denen sie mindestens zwei auswählen und diese miteinander vergleichen sollen. Die Fragebögen sind dabei alle unausgefüllt und beschäftigen sich inhaltlich mit Themen aus der Erfahrungswelt der Kinder. Dabei wurde bei der Auswahl der Fragebögen sowohl auf Authentizität...

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