4. – 6. Schuljahr

Heike Schrameyer

„Wird man da jedes Mal gezählt?

Daten aus der eigenen Lebenswelt hinterfragen und auswerten

In der Auseinandersetzung mit Daten aus ihrem eigenen Umfeld lernen die Schülerinnen und Schüler deren Informationen zu verknüpfen und kritisch zu hinterfragen. Gleichzeitig erfolgt eine Sensibilisierung dafür, selbst Daten zu erzeugen. Zudem bietet sich die Möglichkeit, das Zahlverständnis im erweiterten Zahlenraum zu vertiefen.

Im Anschluss an die Erweiterung des Zahlenraums bis eine Million bietet sich die Vertiefung der Zahlvorstellung im neuen Zahlenraum durch die Auswertung von Daten an. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Daten einen Bezug zur Lebenswelt und den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler haben. Im kleineren Zahlenraum ist es häufig sinnvoll, die Daten mit der Lerngruppe zu erheben (Rink 2009, S. 10ff.). Daten für die geplante Unterrichtseinheit selbst zu erheben, scheidet aufgrund der Größe der Datensätze aus es geht also darum, vorhandenes Datenmaterial zu nutzen. Fündig wird man z.B. bei den kommunalen Statistiken, die vielfach bereits online für jedermann einsehbar sind. Hier gibt es Informationen zur Bevölkerung, zu Ausgaben, zu Besucherzahlen in Museen und Schwimmbädern, zur Zahl der Ausleihen in der Stadtbibliothek etc.
Diese Daten bieten den Kindern zahlreiche Möglichkeiten zur Identifikation und zur Reflexion: „Wir besuchen auch einmal die Woche das Schwimmbad. „Ich habe da immer mittwochs Training. „Werden Schulklassen auch mitgezählt?
Vor dem Einsatz im Unterricht ist es wichtig, die Daten zu sichten und den Umfang und die Darstellung an die Lernvoraussetzungen der Lerngruppe anzupassen: Welche Informationen bieten einen Bezug zu den Erfahrungen der Kinder? Welche Informationen sind zu komplex und werden besser weggelassen?
Die ausgewählten Daten beziehen sich in diesem Fall auf die Besucherinnen und Besucher in Schwimmbädern, Museen und der Stadtbibliothek und auf die Zahl der in der Bibliothek ausgeliehenen Medien. Die betreffenden Tabellen wurden vergrößert und neu angeordnet, um eine bessere Übersichtlichkeit zu erreichen. Das Datenmaterial ist durch die Darstellung von Quartals- und Jahresgesamtwerten recht komplex, bietet aber in der Kombination mit einer offenen Aufgabenstellung auch Möglichkeiten zur natürlichen Differenzierung. Wesentlich ist es hier, den Begriff des Quartals einzuführen und zu besprechen.
Daten sichten
Die erste Sichtung der Datensätze erfolgt in Partnerarbeit (Abb. 1 ). Hier ergeben sich schnell lebhafte Diskussionen darüber, welches Museum man selbst besucht, wo man am liebsten Schwimmen geht und ob man bei jedem Besuch des Schwimmbads gezählt wird.
In der Sicherungsphase erfolgt ein Austausch über gewonnene Einsichten, das Herstellen erster Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Datensätzen („Im 3. Quartal waren im Schwimmbad xy viel mehr Besucher als im ersten Quartal, denn da ist auch das Freibad geöffnet.) und das Sammeln und Beantworten von Fragen, die sich in der vorangegangenen Partnerarbeit ergeben haben.
Fragen formulieren und klassifizieren
In der darauffolgenden Sequenz geht es darum, Fragen zu formulieren, die mithilfe der Datensätze beantwortet werden können. An dieser Stelle sind Satzbausteine wie „die meisten…“, „die wenigsten…“ hilfreich, um eine größere Komplexität der Fragen zu erzielen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten hierbei in Zweier- oder Dreiergruppen und halten die Fragen auf großen Papierstreifen fest, damit sie beim anschließenden Museumsrundgang gut lesbar sind (Abb. 2 ).
Als Nächstes werden die Fragen nach Kriterien geordnet. Die Kriterien können gemeinsam mit der Lerngruppe erarbeitet oder vorgegeben werden. Mögliche Kategorien wären z.B.:
  • Man kann die Antwort direkt in der Tabelle ablesen.
  • Man muss Daten vergleichen.
  • Man kann die Frage nicht beantworten.
Alle drei Kategorien bieten wiederum eine Vielzahl von Gesprächsanlässen und somit erneut die Möglichkeit,...

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