2. – 3. Schuljahr

Michael Franke

„Das muss ich nicht ausrechnen, das sehe ich so

Kinder schärfen spielerisch ihren Blick für Zahlbeziehungen

Eine motivierende und kindgerecht eingebettete Spielidee zur Division mit Rest zeigt eine Möglichkeit auf, den Rechendrang der Kinder, das heißt, den Impuls unüberlegt loszurechnen, aufzuhalten. Stattdessen werden Zusammenhänge zwischen Zahlen sowie Aufgabenstrukturen fokussiert. So wird der Zahlenblick geschärft.

Der Perspektivwechsel zwischen „einfach losrechnen und „Zahlenblick schärfen vollzieht sich nicht automatisch, sondern muss durch Impulse der Lehrkraft und auch der Mitschülerinnen und Mitschüler initiiert werden. Neben dem Aufbau des Spiels, der Spielidee und dem Materialbedarf beleuchtet der Artikel die Einsatzmöglichkeiten des Spiels im Unterricht. Ein Ausblick auf Variationen der Spielform und weitere Ideen zur Verwendung runden die Ausführungen ab.
„Restejagd ein Spiel zur Division mit Rest
Auf der Jagd nach einem Piratenschatz durchlaufen die Kinder das Spielbrett (Abb. 1 und Material Spielbrett). Zugrunde liegt dem Spiel die Rechenoperation der Division mit Rest mit besonderem Augenmerk auf den Rest. Zentral sind neben dem Spielbrett neun Ziffernkarten mit den Zahlen von 1 bis 9 (KV 7). Aus jeweils drei Karten soll eine Divisionsaufgabe gebildet werden, die einen möglichst hohen Rest hat bzw. am Ende direkt auf das Zielfeld führt. Es entstehen Divisionsaufgaben mit einem zweistelligen Dividenden und einem einstelligen Divisor, der den möglichen Rest (bei Divisor 9) auf maximal 8 beschränkt (Abb. 2 ).
Ein Einsatz in Klasse 2 wäre durch eine Beschränkung im Hinblick auf die Mächtigkeit des Quotienten möglich. Dieser sollte, angelehnt an das kleine Einmaleins, höchstens 9 sein. Ein Quotient mit der Mächtigkeit von 10 und entsprechendem Rest wäre nicht möglich, da jede Ziffernkarte nur einmal vorhanden ist und somit eine Aufgabe wie 98:9 nicht gelegt werden kann. Diese Voraussetzung müssten die Kinder bedenken, wenn sie zwischen den jeweils sechs denkbaren Divisionsaufgaben auswählen dürften.
Die Anzahl der Spieler ist grundsätzlich frei wählbar, doch sollte bei einer größeren Anzahl die Wartezeit für die Mitspielenden bedacht werden.
Spielverlauf und Ziel des Spiels
Jedes Kind wählt eine Spielfigur und platziert diese auf dem Startfeld (Piratenhut). Das Spielbrett umfasst 17 Felder, die die Kinder durchlaufen müssen, um mit dem 18. Schritt das Zielfeld (Schatztruhe) zu erreichen.
Die Ziffernkarten von 1 bis 9 werden verdeckt ausgelegt und nach jedem Durchgang wieder gemischt. Die Höhe des Rests bei der aus drei Ziffernkarten gebildeten Aufgabe gibt an, wie viele Felder das Kind vorrücken darf: je höher der Rest, desto schneller gelangt man ans Ziel.
Gewonnen hat das Kind, welches mit seiner Spielfigur am schnellsten genau auf dem Zielfeld landet. Somit ist es theoretisch möglich, das Spiel nach drei Runden zu beenden.
Über einen erfolgreichen Spielverlauf entscheidet zum einen das Glück in der Auswahl der drei verdeckten Ziffernkarten. Zum anderen hängt es aber auch davon ab, sinnvoll aus den zufällig gezogenen Ziffernkarten zu wählen d.h. eine Aufgabe mit einem hohen Rest zu legen.
Um den Spielfluss zu wahren und die Kinder dazu zu bewegen, sich durch Fokussierung auf Aufgabenmerkmale (strukturierendes Sehen) schnell für eine Aufgabe zu entscheiden, ist das Festlegen eines Zeitlimits sinnig. Hat das Kind bis zum Ablauf der Zeit keine Aufgabe genannt, setzt es aus, und der oder die nächste Spielende ist am Zug. Der zeitliche Rahmen ist zu Beginn großzügig zu wählen (2 Minuten) und mit fortlaufender Spielerfahrung zu reduzieren.
Gemeinsam anspielen und Spielregeln klären
Zu Beginn werden im Plenum der Aufbau des Spielbretts sowie das Material präsentiert. Zwei ausgewählte Kinder demonstrieren im Gespräch mit der Lehrkraft und den Mitschülerinnen und Mitschülern exemplarisch den Spielverlauf. Vor allem der Einstieg sollte ausführlich...

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