1. – 2. Schuljahr

Sabrina Roos

Das Ergebnis erklären

Kinder zu mathematischen Gesprächen anregen

Die Herausforderung bei der Einführung von Mathekonferenzen in einem ersten Schuljahr ist es, die Kinder dazu zu ermutigen, über ihre Lernprodukte zu sprechen, beim Thema zu bleiben und Kritik von anderen anzunehmen. Dieser Beitrag soll Möglichkeiten aufzeigen, wie Kinder mit und ohne Schriftsprache in einen ersten echten Austausch kommen und wie die Weiterarbeit aussehen könnte.

Die Erprobungsklasse ist im ersten Schuljahr. Die Kinder mit und ohne Förderbedarf lernen hier gemeinsam. Sie arbeiten bereits von Beginn ihrer Schulzeit an in Gruppen oder mit einem Partner zusammen. Immer wieder wurden diese Sozialformen reflektiert und Regeln für das zielgerichtete Arbeiten besprochen. In dieser Mathekonferenz treffen nun zwei Teams aufeinander, die sich über ihre in der Gruppe entstandenen Produkte austauschen sollen.
Zum Einstieg in die Arbeit mit Mathekonferenzen besteht die Herausforderung darin, zu überlegen, wie die Kinder angeregt werden können, sich auszutauschen. Die Tatsache, dass die Kinder im ersten Schuljahre noch nicht unbedingt schreibsicher sind, stellt eine weitere Herausforderung dar.
Daten sammeln und in Diagrammen darstellen
Die Arbeit mit Säulen- und Balken-diagrammen ist den Kindern bereits bekannt. Schon in der ersten Schulwoche wurden die Anfangsbuchstaben ihrer Namen den Lautbildern der Anlauttabelle zugeordnet und daraus wurde gemeinsam ein Säulendiagramm erstellt. Auch der Geburtstagskalender ist in Form eines Säulendiagramms entstanden und das Ausfallen der Zähne wird in einem fortlaufenden Balkendiagramm dokumentiert.
In dieser Klasse wurden sogar bereits Kreisdiagramme untersucht, weil einige Kinder diese Darstellungsform in den Unterricht eingebracht hatten.
In dieser Unterrichtsreihe bekommen die Kinder zunächst die Aufgabe, zu verschiedenen Themenbereichen (Alter, Geschwister, Lieblingstiere) in der eigenen Klasse selbstständig eine Umfrage durchzuführen und die gesammelten Daten in Diagrammen darzustellen. Die Lehrkraft hat hierfür verschiedene Arbeitsblätter vorbereitet (KV 8 ). Die Kinder arbeiten hierbei in Zweiergruppen. Im Sinne der Zieltransparenz wissen sie, dass sie sich anschließend mit einer anderen Gruppe sowohl über die Ergebnisse ihrer Umfrage als auch über die Darstellung der Ergebnisse in ihrem Diagramm austauschen sollen. Dadurch arbeiten alle Kinder der Erprobungsklasse äußerst gewissenhaft und machen sich viele Gedanken, wie sie ihre Diagramme möglichst übersichtlich gestalten könnten: „Am besten, wir markieren unsere Punkte in den Säulen noch mit Farben. „Genau, und das Bild dazu auch, dann kann man das schon von Weitem sehen, was zusammengehört. (Abb. 1 )
Differenzierter Einstieg in die Mathekonferenzen
Selbstverständlich werden die Kinder nicht alle zum gleichen Zeitpunkt mit dem Erstellen ihrer Diagramme fertig. Um aber allen Kindern eine Grundlage für den Austausch zu geben, ist es sinnvoll, dass sie ihre Arbeit beenden können, bevor sie sich besprechen. Daher wird ein differenzierter Einstieg in die Konferenzrunde gewählt: Im Klassenraum befindet sich ein mit einem Symbol markierter Treffpunkt, an dem sich das Team, das sein Diagramm beendet hat, aufhält. Sobald ein weiteres Team fertig wird, bilden diese beide die Mathekonferenzgruppe. Um mögliche Wartezeiten zu überbrücken, stehen den Kindern am Treffpunkt bereits die Ablaufkarten (Abb. 2 ) für die Konferenz zur Verfügung. Die Lehrkraft, die sich ebenfalls am Treffpunkt aufhält, bespricht mit den Kindern den Ablauf und beantwortet ihre Fragen.
An dieser Stelle erhält die Lehrkraft die Chance, mit einzelnen Kindern intensiv über Mathekonferenzen zu sprechen und sie zu Experten zu machen, die später den Ablauf der Konferenz im Blick behalten werden. Außerdem können durch diese Art der Differenzierung individuelle Fragen ungestört geklärt werden, wobei die Aufmerksamkeit der Gruppenkinder sicher...

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