1. – 6. Schuljahr

Kerstin Tiedemann

Die Bedeutung der Sprache für Mathekonferenzen

Sprachliche Voraussetzungen und Unterstützungsmöglichkeiten

Die Verwendung der Sprache hat im Mathematikunterricht zwei Funktionen, die kognitive und die kommunikative. Bei einer Mathekonferenz werden beide Funktionen der Sprache für das Mathematiklernen genutzt. Die Kinder sind gefordert, mit anderen in einen Austausch zu treten und dadurch das eigene Verständnis zu vertiefen.

Nach Maier und Schweiger (1999, S.11) erfüllt die Sprache in fachlichen Zusammenhängen zwei Funktionen, eine kognitive und eine kommunikative. Bei der kognitiven Funktion geht es um den Erkenntnisgewinn. Wenn Kinder im Mathematikunterricht „Mathe-Wörter kennen und gebrauchen lernen, rekonstruieren sie dabei auch die den Wörtern eingeschriebene mathematisch-konventionalisierte Bedeutung: Wann nenne ich eine geometrische Figur ein Dreieck? Wann spricht die Lehrerin von einer Addition?
Bei der kommunikativen Funktion geht es um den Austausch mit anderen. Kinder können ihre mathematischen Überlegungen mittels der Sprache hörbar oder lesbar und damit für andere zugänglich machen. So geben sie anderen die Möglichkeit, ein Feedback zu geben. Sie können dann anhand der Rückmeldung einschätzen, ob ihre Gedanken nachvollziehbar sind, inwiefern sie für richtig oder angemessen gehalten werden und welche Verbesserungsmöglichkeiten es womöglich gibt. So ist der Gebrauch der Sprache eben nicht nur ein Bestandteil der mathematischen Entwicklung, sondern auch ihr Motor.
Bei einer Mathekonferenz werden beide Funktionen der Sprache für das Mathematiklernen genutzt. Die Kinder sind gefordert, die mathematische Sprache zu erobern, gerade um mit anderen in einen Austausch treten zu können und dadurch die eigene mathematische Arbeit voranzubringen. Doch welche Voraussetzungen müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Mathekonferenz mitbringen und welche Unterstützung können wir ihnen anbieten?
Vor der Konferenz
Vor einer Mathekonferenz sollten wir als Lehrkräfte klären, welche sprachlichen Anforderungen die zu besprechende Aufgabe an die Lernenden stellt. Welche sprachlichen Mittel benötigen sie, um produktiv daran arbeiten und die Ergebnisse gut verständlich präsentierten zu können? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, bietet sich eine Bedarfsanalyse in Anlehnung an Kniffka (2012) an, die anhand von Leitfragen die sprachliche Seite des geplanten mathematischen Arbeitens in den Blick nimmt:
  • Welche Texte (inklusive schriftlicher Aufgabenstellungen) kommen vor? Enthalten die Texte besondere Schwierigkeiten, etwa komplexe Verweisstrukturen oder neue Fachbegriffe?
  • Gibt es grammatische Phänomene, die gehäuft auftreten oder besonders nützlich sind (z.B. Wenn-dann-Sätze oder Präpositionalkonstruktionen)? Welche Wörter werden gebraucht?
  • Welche Sprachhandlungen sind besonders wichtig, wie z.B. Beschreiben, Erklären, Begründen?
Komplementär dazu sollte eine Lernstandsanalyse durchgeführt werden: Über welche der sprachlichen Mittel verfügen die Lernenden bereits? Welche Regeln für den erwarteten Sprachgebrauch werden im Unterricht bereits befolgt? Als Grundlage einer solchen Lernstandsanalyse können Hausaufgaben, Klassenarbeiten, aber auch vielfältige Beobachtungen im alltäglichen Unterricht dienen.
Hat man dann im Abgleich der Bedarfs- und der Lernstandsanalyse vor Augen, bei welchen sprachlichen Mitteln auf Seiten der Lernenden ein besonderer Unterstützungsbedarf zu erwarten ist, kann ein sprachliches Angebot vorbereitet werden:
  • ein Wortspeicher, in dem nützliche Wörter und Satzteile aufgelistet sind (Hinweis: Substantive sollten am besten mit bestimmtem Artikel aufgeführt werden, sodass die Lernenden sie direkt im korrekten Genus zu verwenden lernen.)
  • eine Liste mit Satzanfängen, die das Sprechen in einer Mathekonferenz erleichtern: „Ich habe mir zuerst überlegt, dass …“ „Dann habe ich mich daran erinnert, dass …“ „Ich habe noch nicht verstanden, warum...

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