3. – 4. Schuljahr

Sabrina Roos

„Ich kann es erklären!

Eigene Lernziele setzen und in einer Mathekonferenz reflektieren

Mathekonferenzen einmal ganz anders: Nach einer Unterrichtsreihe sollen die Kinder anhand zuvor gemeinsam gesammelter Kriterien ihre eigene Leistung reflektieren und diskutieren. Dafür muss ihnen zuvor klar sein, was eine gute mathematische Leistung im Allgemeinen und schließlich in Bezug auf den Inhalt ausmacht.

Kriterien sammeln
Die Kinder der Erprobungsklasse sollen in dieser Unterrichtsreihe Verantwortung für ihr Lernen und ihre eigene Leistungsbeurteilung übernehmen. Diese Aufgabe nehmen sie von Beginn an sehr ernst.
Zunächst werden die Überlegungen über die Zusammensetzung der Noten in Klasse 3, die am Schuljahresanfang angestellt wurden, genutzt, um über Kriterien für gute Leistungen im Mathematikunterricht zu sprechen (Abb. 1 ).
Die Kinder nehmen kritisch ihre alten Überlegungen unter die Lupe. Schwerpunkte legen sie besonders auf die Anstrengungsbereitschaft sowie die Konzentration und Ausdauer auch bei schwierigen Aufgaben. Dabei können die Kinder bereits sehr gut die unterschiedlichen Leistungsniveaus mit berücksichtigen. „Nur, weil einer zum Beispiel schneller ist oder mit größeren Zahlen rechnet, heißt das ja noch nicht, dass er automatisch eine bessere Leistung hat als einer, der sich vielleicht viel mehr anstrengt und dafür aber etwas leichtere Zahlen hat. Schnell stand fest, dass Leistungen sehr individuell sein können und nicht jedes Kind zum gleichen Zeitpunkt die gleiche Leistung wie ein anderes Kind erbringen muss. Um diese Erkenntnis zu unterstützen, nutzt die Lehrkraft das Bilderbuch „Wenn die Ziege schwimmen lernt, um über dieses Thema ins Gespräch zu kommen.
Ein leistungsstarker Junge merkt an, dass „wir Kinder aber vorher immer wissen müssen, was ihr Lehrer wollt, was wir lernen. Genau diese Aufgaben sollten die Kinder aber in dieser Unterrichtsreihe selbstständig übernehmen.
Staffellauf für inhaltliche Kriterien
Zunächst erscheint es schwierig, dass Kinder nur durch das Nennen des Themas, in diesem Fall „halbschriftliche Multiplikation, eigene inhaltliche Lernziele formulieren können. Um den Austausch anzuregen und die Ideenfindung zu erleichtern, suchen die Kinder Kriterien mit der Methode des Staffellaufs (KV 12 ).
Danach notiert zunächst jedes Kind für sich seine Ideen, tauscht sich auf ein akustisches Signal hin mit einem Partner und in einem dritten Schritt mit einer anderen Zweiergruppe aus. Dadurch kommen die Kinder der Erprobungsklasse auf viele verschiedene und auch unterschiedlich anspruchsvolle inhaltliche Lernziele (Abb. 2 ).
Während in der Einzelarbeitsphase der Fokus noch auf dem Üben des Einmaleins und den neuen Rechenwegen liegt, kommen im Austausch Lernziele hinzu, die darüber hinausgehen. So überlegen sich die Kinder, dass es Tricks geben müsse, mit denen man sich helfen kann: „Die Sachen, die wir schon können, haben uns oft als Trick geholfen, weil die ja jetzt leicht sind. Auch die Metaebene, nämlich das Verstehen anderer Wege und Tricks, rückt als Lernziel ebenso in den Blick wie das Erklären der eigenen Wege. Kinder, die ältere Geschwister haben oder mathematisch begeistert sind, wollen z. B. etwas über Quadratzahlen lernen.
Als letzter Schritt dieser Unterrichtsphase werden die gemeinsam gesammelten Lernziele auf einem Plakat zusammengefasst (Abb. 3 ).
Jedes Kind wählt sich seine Ziele von dieser Sammlung aus und notiert sie auf einem eigenen Beobachtungsblatt (KV 12), das anschließend als Reflexionsgrundlage genutzt wird. Auf diese Weise wird allen Leistungsniveaus gerecht, denn die Kinder wählen für sie erreichbare Ziele aus und sind so mit Ernsthaftigkeit und Motivation bei der Arbeit. Alle Kinder suchen gewissenhaft Ziele aus, die sie bislang noch nicht erreicht haben. Keiner bleibt unter seinen Möglichkeiten zurück, weil auch die starken Kinder Neues dazu lernen und sich herausfordern wollen (Abb. 4 ).
Ziele immer...

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