1. – 2. Schuljahr

Sabrina Roos

„Jetzt habe ich es richtig verstanden!

Kompetenzerweiterungen in Mathekonferenzen beobachten

Mathekonferenzen im ersten Schuljahr stellen eine gute Möglichkeit dar, mathematische Kompetenzerweiterungen der Kinder zu beobachten und zu erfassen. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf der Produktbewertung des Resultates, sondern vielmehr auf der Prozessbewertung der Konferenz. Diese Möglichkeiten und auch Grenzen der Mathe-konferenz sollen am Beispiel der Vier-Felder-Tafel dargestellt werden.

In der Erprobungsklasse im ersten Schuljahr lernen Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam. Die Grundrechenarten der Addition und der Subtraktion sind den Schülerinnen und Schülern ebenso durch den vorangegangenen Unterricht bekannt wie das Entdecken von Mustern und Strukturen und das Zerlegen von Zahlen. Sie haben sich bereits in vielen unterschiedlichen Situationen in Gruppen- und Partnerarbeit über ihre Entdeckungen ausgetauscht und beraten. Das Vorstellen ihrer Ergebnisse erfolgte bislang meist im Kreisgespräch. Den Austausch der Gruppen untereinander in Mathekonferenzen kannten die Kinder bis zu dieser Unterrichtsreihe noch nicht.
Die Vier-Felder-Tafel erforschen
In der ersten Lerneinheit lernen die Kinder die Vier-Felder-Tafel kennen, erforschen ihren Aufbau und finden heraus, wie sie mit ihr rechnen. Die Kinder erkennen, dass die Punkte in den nebeneinanderliegenden Feldern addiert werden und die Summe in den jeweiligen Quadraten festgehalten wird. Im Anschluss lösen sie unterschiedlich schwierige Aufgaben mit und ohne Lücken.
Die Reflexion in dieser Lerneinheit findet noch nicht in einer Mathekonferenz statt. Gemeinsam wird im Kreis um eine große Vier-Felder-Tafel besprochen, was die Kinder über deren Aufbau herausgefunden haben. Alle grundlegenden Lernergebnisse zum Umgang mit der Tafel können auf einem Lernplakat festgehalten werden. Einige Beispiele werden gemeinsam gelöst, um die Erkenntnisse zu sichern.
Verschiedene Lösungen finden
In einer weiteren Lerneinheit geht es dann darum, alle verschiedenen Lösungen zu einer vorgegebenen Vier-Felder-Tafel zu finden. Den Kindern wird im Stundenprogramm an der Tafel das neue Element der Mathekonferenz vorgestellt. Sie erfahren, dass sie sich im Anschluss an ihre Partnerarbeit mit einem zweiten Team treffen und mit diesem alle Entdeckungen, die sie machen konnten, besprechen sollen. Dabei können noch offene Fragen gemeinsam besprochen oder mögliche Erklärungen gefunden werden. Die Ergebnisse ihrer Mathekonferenz halten die Kinder auf ihrem Arbeitsblatt fest (KV 6 ).
In der ersten Phase liegt bei vielen Teams der Fokus auf dem Finden aller unterschiedlichen Vier-Felder-Tafeln. Nur wenige sind bereits in dieser Phase in der Lage, Sortierungen vorzunehmen, Erklärungen zu finden oder Fehler zu identifizieren. Da den Kindern aber transparent gemacht wird, dass sie hierfür auch den gemeinsamen Austausch in der anschließenden Mathekonferenz nutzen können, können sie sich ganz auf ihre erste Aufgabe konzentrieren. Auch die schwächeren Kinder gelangen so zu Lösungen, über die sie im Anschluss sprechen können.
Beobachten in der Mathekonferenz
Die Hauptaufgabe der Lehrkraft während der Mathekonferenz ist die gezielte, kompetenzorientierte Beobachtung. Dabei gibt es zwei Schwerpunkte: zum einen geht es darum wahrzunehmen, welche Kompetenzen Kinder dazu gewinnen, um später kompetenter am Inhalt weiterarbeiten zu können.
Zum anderen liegt der Fokus besonders bei den ersten Mathekonferenzen auch auf der Beobachtung der Konferenz als solche. Wie tauschen sich die Kinder aus? Hilft ihnen die Ablaufstruktur? Wie reichhaltig sind die mathematischen Gespräche? Findet ein echter Austausch statt? Wie werden neue Erkenntnisse festgehalten?
Als Beobachterin hält sich die Lehrkraft so weit wie möglich aus den Gesprächen der Kinder heraus. Nur wenn sie um Hilfe gebeten wird oder merkt, dass eine Gruppe nicht weiterkommt, kann sie als Impulsgeberin eingreifen....

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