3. – 4. Schuljahr

Cordula Büchting, Linda Gödeke

Mathekonferenzen für alle

Kinder mit Sprachschwierigkeiten in Mathekonferenzen unterstützen

Mathekonferenzen im vierten Schuljahr setzen bei den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Fach- und Methodenkompetenz voraus. Mit zieldifferent geförderten Kindern scheint hier ein Arbeiten am gemeinsamen Unterrichtsgegenstand sehr erschwert bis unmöglich. Durch das Bilden leistungshomogener Mathekonferenzgruppen kann dieser Anspruch aber doch weitgehend realisiert werden kann.

Die Ausgangslage
Im 4. Schuljahr soll nach der Zahlenraumerweiterung die schriftliche Subtraktion wiederholt werden. Es wird eine Unterrichtsreihe gewählt, die das Thema mit der Auseinandersetzung mit Zahlenmustern (MIMIZahlen) verknüpft. Der Zahlenraum umfasst die Zahlen bis 10.000, aus dem dritten Schuljahr ist das Rechenverfahren zur schriftlichen Subtraktion bekannt. Als Methode wird u.a. die Mathekonferenz eingesetzt, da sie das aktiv-entdeckende Potential des Unterrichtsgegenstandes ideal aufgreift und umzusetzen versteht.
Dieses Vorgehen folgt auch dem Methodencurriculums der Schule (vgl. Kasten).
Methodencurriculum unserer Schule
Methodencurriculum unserer Schule
Das Kollegium der Wittekindschule hat sich auf ein Methodencurriculum zur Förderung des schüleraktivierenden Lernens verständigt.
Das Curriculum legt verbindlich fest, welche Methoden in welchem Jahrgang eingeführt werden. Die Komplexität einzelner Methoden sowie das dem Spiralprinzip entsprechende Wiederaufgreifen und Vertiefen der Methoden werden dabei berücksichtigt. So wird die Lesekonferenz z.B. im 2. Schuljahr eingeführt. Diese Kenntnisse werden bei der Einführung der Schreib- und Mathekonferenz im 3. Schuljahr aufgegriffen und durch weitere Rollenkarten ergänzt. Im 4. Schuljahr wird die selbstorganisierte Durchführung der Konferenzen angestrebt.
Zieldifferent geförderte Kinder
In der hier betrachteten Klasse gibt es die drei Mädchen Esra, Fatima und Lara mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Lernen, Esra und Fatima leiden zusätzlich an selektivem Mutismus. Fatima verfügt bislang über erste Kenntnisse im Rechnen im Zahlenraum bis 100 und kann zweistellige Zahlen ohne Zehnerübergang mit Unterstützung addieren und subtrahieren. Lara und Esra erschließen sich aktuell den Zahlenraum bis 100 und kämpfen vor allem mit dem Stellenwertverständnis.
Zora ist ein bulgarisches Mädchen, das erst seit wenigen Wochen in Deutschland lebt und bislang nur einige deutsche Wörter kennt. Zora, in Bulgarien eine sehr gute Schülerin, sind aufgrund der unterschiedlichen Lehrpläne erst die Inhalte des dritten Schuljahres vertraut, außerdem kennt sie die meisten Aufgaben- und Übungsformate nicht. Die fehlenden Deutschkenntnisse erschweren das Unterrichten zusätzlich.
Auch diese vier Mädchen, Esra, Fatima, Lara und Zora sollen trotz ihrer sprachlichen Schwierigkeiten an diesem Thema mit individuellen Zielen mitarbeiten.
Erweiterung der Methodenkompetenz
Esra, Fatima und Lara ist der Ablauf einer Mathekonferenz bekannt (siehe Kasten „Methodencurriculum), jedoch bezogen sich ihre Lernziele bislang auf die methodischen Kompetenzen:
  • den Ablauf einer Lese-, Schreib- bzw. Mathekonferenz kennenlernen
  • Kennenlernen und Einhalten der Regeln einer Konferenz
  • Übernahme einzelner Rollen zum Teil mit individueller Unterstützung (Materialmanager, Zeitwächter, Lautstärkewächter)
Durch die Möglichkeiten, die das aktuelle Unterrichtsthema hinsichtlich innerer Differenzierung bietet, sollen die Mädchen jetzt erstmalig in einer Mathekonferenz auch inhaltlich arbeiten und somit weitere Rollen (Gesprächsleiter, Präsentator) übernehmen und ausfüllen. Damit sie dies ihrem Lernstand entsprechend leisten können, führen sie zusammen mit Zora eine eigene, leistungshomogene Mathekonferenz durch, unterstützt und begleitet durch eine Sonderpädagogin. Sie arbeiten dabei mit dem gleichen Zahlenmaterial (MIMI-Zahlen) wie die anderen...

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