3. – 4. Schuljahr

Arne Pöhls

Reden und Schreiben über Rechenstrategien

Mathekonferenzen als selbstorganisierte Austauschprozesse

Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber Mathekonferenzen gelingt es der Lehrkraft auch in einer dritten Klasse die Kinder von der Nützlichkeit dieser Unterrichtsmethode zu überzeugen. Am Ende dieser Unterrichtssequenz zur Addition und Subtraktion von dreistelligen Zahlen hat die Klasse diese Methode als Arbeitsform angenommen.

„Bevor ich mit meiner Klasse Mathekonferenzen durchführe, müssen alle Kinder erstmal …“, so oder so ähnlich hat die Lehrkraft im Verlauf der zweiten Klasse gedacht. Relativ spät wird nun die Rechenkonferenz als Methode eingeführt. Aber die Rapidität, in der sich die 3. Klasse die neue Methode zu eigen macht, lässt vermuten, dass auch ein früherer Zeitpunkt möglich gewesen wäre.
Pragmatische Gründe für eine späte Einführung der Methode „Mathekonferenz können sein:
  • In der Klasse gibt es disziplinarische Schwierigkeiten.
  • Das Einzugsgebiet ist sozioökonomisch eher schwach.
  • Der Anteil an Kindern mit deutsch als Zweitsprache ist hoch.
  • Werden die Kinder allein zum Kern des Phänomens vordringen?
  • Werden die Kinder nicht ihrer professionellen Hilfe beraubt?
Inhaltlich hat selbstregulierter Austausch auch wirklich seinen Preis: In Phasen, in denen die Lehrkraft moderiert, führt die Frage- und Impulshaltung basierend auf diagnostischer Kompetenz zu erfolgreichen Unterrichtsgesprächen. Bei aller Offenheit dem Denken der Kinder gegenüber, besitzt die Lehrkraft eine Zielorientierung. Sie weiß, welche kindlichen Gesprächsbeiträge es lohnt zu verstärken, zu verbinden und weiterzuentwickeln. Sie kann in manchmal sprachlich kruden Antworten behutsam den mathematischen Kern freilegen. In Mathekonferenzen fehlt diese professionelle Komponente.
Auf der anderen Seite stehen die Ziele einer „Mathekonferenz: Das eigenständige Verbalisieren von Vorgehensweisen, das Verstehen fremder Lösungswege und die gemeinsame Suche nach Lösungswegen, Unterschieden oder Fehlern sind Ziele des Mathematikunterrichts. Wie sollen sie erreicht werden, wenn sie nicht verfolgt werden? Eine Kultur des Verstehens und Verstandenwerdens, wie in der Mathematik üblich, kann nur erreicht werden, wenn Anlässe zum selbstregulierten Austausch geschaffen werden.
„Kugellager als Vorbereitung der „Mathekonferenz
In Stunden, in denen die Einführung einer Methode im Vordergrund steht, sollten die inhaltlichen Anforderungen angemessen gewählt werden. Aufgaben mit Transferleistungen können dabei hilfreich sein.
Während die Kinder bei der Addition ohne die Methode arbeiten und die Lehrkraft eine präsentere Rolle spielt, soll bei der Subtraktion die Methode „Mathekonferenz Aufgaben der Lehrkraft übernehmen.
Was passierte während der Addition?
Die Einheiten zur Addition liefen nach den Prinzip der fortschreitenden Schematisierung (Treffers 1984) ab: Die Kinder tauschten sich informell über ihre Rechenwege aus und die Lehrkraft wählte einzelne Schülerlösungen für ein Plenumsgespräch aus. In den folgenden Stunden wurden Aufgaben gewählt, die einzelne Rechenstrategien begünstigen sollten. Die Kinder wurden aufgefordert, so wie andere Kinder zu rechnen. Gegen Ende der Unterrichtseinheit wurden dabei die von vielen Kindern als schwieriger empfundenen Hauptstrategien „Hilfsaufgabe und „Vereinfachen in den Fokus genommen. Während dieser Unterrichtsphase wurde zur Anregung des selbstregulierten Lernens eine Methode des kooperativen Lernens angewendet: Das Kugellager. Die Kinder bekamen dafür zwei Schülerlösungen (KV 9 ), bei denen nach der gleichen Strategie gerechnet wurde. (Idealerweise handelt es sich hierbei um Schülerlösungen aus der Klasse.) (Abb. 1 )
Die Lehrkraft beschrieb den dazugehörenden Auftrag folgendermaßen: „Du erhältst hier zwei Rechenwege. Die Aufgaben sind verschieden, aber die Rechenwege sind gleich. Schau dir die Aufgaben und die Rechenwege genau an. Du sollst gleich anderen Kindern erklären,...

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