1. – 2. Schuljahr

Silke Pyroth

„Arbeiten wir heute wieder in der Werkstatt?

Erste Erfahrungen mit der Achsensymmetrie in der Ebene

Schon Erstklässler können grundlegende Symmetrieeigenschaften in einer Werkstatt erkunden. Eine Werkstatt ist einfacher umzusetzen, als vielfach gedacht und bietet die Möglichkeit, nicht im Klassensatz vorhandenes Material einzusetzen. Zudem können die Kinder in ihrem eigenen Tempo arbeiten und einmal selbst „Chef bzw. „Chefin sein.

Natürlich lassen sich erste Erfahrungen mit der Achsensymmetrie im herkömmlichen Unterricht sammeln. Es gibt jedoch gute Gründe für den Einsatz einer Werkstatt. Insbesondere spricht dafür, dass nicht alle Kinder gleichzeitig an derselben Aufgabe arbeiten: Zum einen ist geeignetes Material oft nicht im Klassensatz vorhanden, z.B. eine große Wandtafel (siehe Abb. 1 – 3 ). Zudem lässt sich in dieser Unterrichtsform eine individuelle Bearbeitungszeit und Aufgabenauswahl realisieren. Denn in einer 1. Klasse sind verschiedene Vorerfahrungen zu erwarten: Manche Kinder werden sich im Laufe dieser Unterrichtseinheit zum ersten Mal bewusst mit Achsensymmetrie auseinandersetzen und vielleicht sogar das erste Mal einen Spiegel in der Hand halten. Sie werden deutlich mehr Übung und Zeit benötigen. Andere Kinder kennen bereits Symmetrien und sind feinmotorisch geschickt. Sie werden viele der üblichen Grundschulaufgaben sehr zügig und sicher lösen können. Damit auch diese Kinder gefordert werden, können für sie anspruchsvollere Aufgaben bereitstehen, z.B. schon jetzt Figuren mit mehreren Symmetrieachsen oder mit Symmetrieachsen in unterschiedlichen Lagen.
Nicht zuletzt wird im Werkstattunterricht das selbstständige Entdecken gefördert und dem Abgucken vorgebeugt, dadurch dass die Nachbarn die fertigen Lösungen nicht schon auf dem Tisch liegen haben, sondern gerade an einer anderen Aufgabe arbeiten.
Einige Prinzipien und praktische Tipps
Werkstatt Was ist das?
In einer Werkstatt sollten handlungsorientierte Aufgaben Vorrang haben. Arbeitsblätter werden nachrangig eingesetzt. In den Arbeitsphasen stehen dann alle Aufgaben gleichzeitig zur Auswahl. Die Kinder dürfen diese in einer selbst gewählten Reihenfolge bearbeiten. Bei mir hat es sich bewährt, maximal so viele Aufgaben auszuwählen wie die Klasse Schüler hat, also maximal 26 Aufgaben. Wenn eine Klasse erstmalig in einer Werkstatt arbeitet, sollte die Zahl der Aufgaben reduziert werden, etwa auf 12 – 18 Aufgaben. Damit die Kinder sich nicht zu oft auf Partnersuche begeben müssen und eine Arbeitsruhe gewährleistet ist, sollten die meisten Aufgaben für (kooperationsoffene) Einzelarbeit, einige wenige für Partnerarbeit, vielleicht eine für Kleingruppenarbeit vorgesehen sein. Nur die schnellsten Schüler sollten alle Aufgaben schaffen. Es kann auch die Möglichkeit für eigene Aufgabenideen geben. Dafür können auf dem Werkstattplan KV4, auf dem alle Aufgaben aufgeführt sind, Leerzeilen vorgesehen werden.
Zeitplanung
Die Werkstattstunden sollten idealerweise in Doppelstunden stattfinden. Dadurch haben die Kinder eine relativ lange Arbeitsphase, in der sie mehrere Aufgaben in ihrem eigenen Tempo bearbeiten können. In den Erprobungsklassen hat sich als optimaler Zeitrahmen erwiesen, zwei- bis dreimal pro Woche eine Doppelstunde und insgesamt etwa drei Wochen in einer Werkstatt zu arbeiten.
Das Chefprinzip
Jedes Kind ist „Chef bzw. „Chefin für eine Aufgabe. Das heißt, dass jedes Kind dafür verantwortlich ist,
die eigene Aufgabe anderen Kindern zu erklären.
die korrekte Durchführung der Aufgabe bei ihnen zu kontrollieren und auf dem Werkstattplan abzuzeichnen.
am Ende einer Werkstattstunde zu überprüfen, ob die Aufgabe vollständig und zur erneuten Bearbeitung vorbereitet an ihren Platz zurückgelegt wurde.
der Lehrkraft Bescheid zu geben, wenn Material fehlt, die Aufgabe nicht funktioniert oder es andere Probleme gibt.
Damit dies möglich ist, bearbeiten alle Schüler zu Beginn einer Werkstatt ihre...

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